ISLAM = ANTI-CHRISTENTUM

Beiträge, die das beweisen und illustrieren und die CHRISTEN wachrütteln sollen

Protest von Rabbinern: „Die katholische Kirche hat ihre antisemitischen Tendenzen nicht im Griff“

Posted by deislam - 22. März 2008

Wir zitieren folgenden Artikel, um ihn anschließend ausführlich zu kommentieren:

SPIEGEL ONLINE: 20. März 2008:
PROTEST VON RABBINERN
„Die katholische Kirche hat ihre antisemitischen Tendenzen nicht im Griff“

Ausgerechnet zu Ostern flammt ein alter Glaubenskonflikt wieder auf: In der neuen Karfreitagsfürbitte des Vatikans wird für die „Erleuchtung“ der Juden gebetet. Im SPIEGEL-ONLINE-Interview attackiert Rabbiner Walter Homolka den Papst – und wirft ihm vor, judenfeindliche Kräfte zu stärken.

Homolka, Synagoge KölnSPIEGEL ONLINE: Herr Homolka, Sie – und weltweit rund 1600 Rabbiner – protestieren scharf gegen die vom Vatikan wieder zugelassene lateinische Karfreitagsfürbitte. Darin heißt es: „Lasst uns beten für die Juden. Dass unser Gott und Herr ihre Herzen erleuchte, damit sie Jesus Christus erkennen, den Heiland aller Menschen.“ Halten Sie Benedikt XVI. für einen Antisemiten?

Homolka: Er versucht, das Spezifische seiner Kirche herauszuarbeiten – das ist seine Aufgabe. Hier ging ihm allerdings das Fingerspitzengefühl verloren. Es ist höhnisch für Juden, wenn ausgerechnet im Umfeld von Karfreitag die katholische Kirche wieder für die Erleuchtung der Juden bittet, damit wir Jesus als Heiland erkennen. Solche Aussagen werden in einem wirkungsgeschichtlichen Umfeld gemacht, das eng verbunden ist mit Diskriminierung, Verfolgung und Tod. Das ist nach der Schuld, die die katholische Kirche in ihrer Geschichte mit dem Judentum und zuletzt im Dritten Reich auf sich geladen hat, völlig unangemessen und muss auf das Schärfste zurückgewiesen werden.

SPIEGEL ONLINE: Was bewirkt Benedikt mit der Neufassung der lateinischen Formel?

Homolka: Er gibt zu erkennen, dass er glaubt, auch für die Juden führe der Weg zum Heil nur über Jesus, den Heiland. Das öffnet der Judenmission Tür und Tor. Schon jetzt ist das Internet voll mit Kommentaren rechtskonservativer Katholiken, die sagen: „Wunderbar, jetzt haben wir endlich das Signal, Juden zu missionieren.“ So ein Zeichen wirkt auf antisemitische Kreise äußerst stimulierend. Die katholische Kirche hat ihre antisemitischen Tendenzen nicht im Griff.

SPIEGEL ONLINE: Benedikt leistet antisemitischen Tendenzen Vorschub?

Homolka: Er nimmt sie zumindest in Kauf.

SPIEGEL ONLINE: Ist die aktuelle Fassung nicht harmlos im Vergleich zur Urfassung von 1570, die über Jahrhunderte galt? Darin ist davon die Rede, dass das Herz der Juden verschleiert sei, dass sie in der Finsternis wandelten, dass sie verblendet und treulos seien.

Homolka: Ich halte auch die Benedikt-Fassung für mehr als unglücklich. Er trifft an dieser zentralen liturgischen Stelle, der Karfreitagsliturgie, eine kathedertheologische Aussage, die von Juden unweigerlich als Angriff und Stillosigkeit empfunden werden muss. In der Geschichte ist Juden am Karfreitag immer wieder Verfolgung und Tod widerfahren. Christen münzten die Karfreitagsbotschaft oft um in die Frage: „Wo sind die Christusmörder?“

SPIEGEL ONLINE: Ist diese Gefahr nicht längst gebannt?

Homolka: 2006 hat der Vorsitzende der Allgemeinen Rabbinerkonferenz, Rabbiner Henry Brandt, gegenüber Kardinal Kasper klare Worte gefunden: Jeder Anflug der Möglichkeit einer Judenmission durch die Kirche sei quasi ein feindlicher Akt, eine Fortsetzung der Untaten Hitlers den Juden gegenüber auf anderer Ebene. Das ist hart, aber ehrlich gesagt. Die katholische Kirche sollte sich zur Treue Gottes bekennen, der an der Erwählung seines Volkes Israel festhält.

SPIEGEL ONLINE: Die lateinische Version der Fürbitte wird in kaum einer deutschen Pfarrgemeinde zu hören sein. Ist Ihr Protest nicht übertrieben?

Homolka: Es geht nicht darum, wo überall diese außerordentliche Form der Fürbitte gebetet wird. Der Papst hat mit dieser Formulierung von eigener Hand eine richtungweisende Veränderung vorgenommen, der er persönliches Gewicht verleiht. Damit entzieht er der ordentlichen Form der Fürbitte von 1970 die Glaubwürdigkeit. Deren Text hätte der Papst doch einfach auch für den tridentinischen Ritus übernehmen können: „Lasset uns beten für die Juden, zu denen Gott im Anfang gesprochen hat. Er gebe ihnen die Gnade, sein Wort immer tiefer zu verstehen und in der Liebe zu wachsen.“

SPIEGEL ONLINE: Das Christentum ist eine missionarische Religion. Ist es da nicht logisch, dass auch Juden überzeugt werden sollen?

Homolka: Nein, denn die umstrittene Karfreitagsfürbitte lässt die besondere Stellung des Judentums als Gottes Volk völlig außer Acht. Gott hat uns Juden zum „Licht unter den Völkern“ berufen, wir haben also sicher nicht die Erleuchtung durch die katholische Kirche nötig. Da vergreift sich die jüngere Schwester schwer im Ton.

SPIEGEL ONLINE: Der Jude Jesus hat doch selbst unter Juden missioniert.

Homolka: Jesus hat seine Position im Rahmen eines innerjüdischen Dialoges vorgetragen. Was die Kirche daraus gemacht hat, war etwas ganz anderes. Sie hat dem Rabbi Jesus Göttlichkeit verliehen und behauptet auch noch, der Kreuzestod dieses Rabbis sei für meinen persönlichen Gnadenstand relevant. Solche Lehren wären auch Jesus neu gewesen.

SPIEGEL ONLINE: Sie sehen die Gefühle vieler Juden verletzt. Mit seiner Regensburger Rede verletzte Benedikt auch die Gefühle vieler Muslime. Was steckt dahinter?

Homolka: Ich kann mir nicht vorstellen, dass dies Ausrutscher waren. Hier steht ein Kapitän auf der Brücke seines Supertankers. Durch das Zweite Vatikanische Konzil wurde ein neuer Kurs gesetzt. Nun will er umsteuern und in kurzer Zeit neue Akzente setzen. Da braucht es schon die eine oder andere Sprengbombe, um das Schiff ins neue Fahrwasser zu bringen. Die Kirche des Zweiten Vatikanums ist dem Papst zu arm an Bindekraft geworden und die Universitätstheologie zu mager. Deshalb diese gewaltigen Veränderungen in der katholischen Kirche.

SPIEGEL ONLINE: Es gibt auch positive Entwicklungen im katholisch-jüdischen Verhältnis: das Schuldbekenntnis der katholischen Kirche, Benedikts Besuch der Kölner Synagoge, sein Treffen mit dem Wiener Rabbiner. Und er hat Auschwitz besucht.

Homolka: In Auschwitz vertrat er eine Auffassung, als ob neuheidnische Kräfte über das deutsche Volk gekommen wären und es verführt hätten. Rabbiner Leo Baeck hat nach dem Holocaust ein ganz anderes Fazit gezogen: Was ist eine Kirche wert, die im Dritten Reich Gottes grundlegenden Lehren nicht Geltung verschaffen konnte? Das lässt den an den Tag gelegten Absolutheitsanspruch des Christentums recht frech erscheinen.

SPIEGEL ONLINE: Dennoch bemühte sich die katholische Kirche nach dem Zweiten Weltkrieg um ein gutes Verhältnis zum jüdischen Volk. Rom erkannte an, dass das Christentum aus dem Judentum entsprungen ist, dass das Judentum eine Heilszusage von Gott besitzt, dass Jesus Jude war.

Homolka: Ja, aber es gibt auch irritierende Signale. Bei der Heiligsprechung Edith Steins, die als Jüdin zu Tode kam und dann von christlicher Seite als Märtyrerin erhöht wurde, ging es der katholischen Kirche auch darum, dass eine Jüdin katholisch wird. Und jetzt der Affront mit der Karfreitagsliturgie. Ich akzeptiere es, wenn jemand individuell einen Glaubenswechsel vornimmt – das gilt nach beiden Seiten. Der christlich-jüdische Dialog wird damit fertig. Aber eine kollektive Erwartung an das Judentum, Jesus als Heiland anzuerkennen, ist eine schwere Belastung.

SPIEGEL ONLINE: Welchen Sinn hat überhaupt ein Dialog, wenn von vornherein klar ist, dass sich die beiden Seiten letztlich unversöhnlich gegenüber stehen?

Homolka: Das Ziel des Dialogs ist nicht die Vereinigung oder Vereinnahmung. Wir wollen einander verstehen lernen. Dazu gehört, Verletzungen zu vermeiden, wie sie uns durch die Karfreitagsfürbitte des Papstes zugefügt wurden. Ich fürchte, auf jüdischer Seite wird es zu einer Abstimmung mit den Füßen kommen, die Leute werden sich dem Dialog entziehen.

SPIEGEL ONLINE: Wie kann es weitergehen?

Homolka: Der morgige Karfreitag wird ein schwarzer Tag in den Beziehungen von Juden und Katholiken. Eine versprochene Erläuterung des Vatikans lässt auf sich warten, insgesamt vier jüdische Referenten haben mittlerweile ihre Teilnahme für den Katholikentag abgesagt. Die Nerven liegen auf jüdischer Seite blank. Micha Brumlik warnte vor wenigen Monaten vor einer „Eiszeit“. Jetzt ist sie da. Die Beziehungen zwischen katholischer Kirche und jüdischer Gemeinschaft stehen schlagartig vor einer Zerreißprobe, wie schon seit Jahrzehnten nicht mehr.

Das Gespräch führte Alexander Schwabe

URL:

* http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,542556,00.html

Unser Kommentar ist inzwischen veröffentlicht unter dem Post „Rabbiner Walter Homolka spricht Klartext

Doch vorläufig auch hier schon mal sachdienliche Links:

Unsere bisherigen Stellungnahmen:

    1. Die re-re-revidierte Karfreitagsfürbitte für die Bekehrung der Juden
    2. Karfreitagsfürbitte für die Juden überschattet Katholikentag
    3. Juden fordern erneut Änderung der Karfreitagsfürbitte
    4. Wird sich Rom unterwerfen?

      5 Antworten to “Protest von Rabbinern: „Die katholische Kirche hat ihre antisemitischen Tendenzen nicht im Griff“”

      1. Als Christ empört mich diese Aussage.Hier wird wieder deutlich,die Kirche hat den Juden Jesus nicht verinnerlicht.Sie hat die Schoa noch nicht einmal intellektuel begriffen und sie hat nicht das geringste Einfühlungsvermögen.Von Liebe ganz zu schweigen.Als Diakon und als Deutscher muß ich mich wieder einmal mehr schämen.

      2. deislam said

        @Norbert Weber, #1:
        Was meinst Du genau mit „die Kirche hat den Juden Jesus nicht verinnerlicht“?

      3. Hallo Deislam,vielen Dank für die Frage.Beantworten möchte ich sie mit der Ethik von Bonhoeffer:Das Geheimnis des Glaubens besteht darin,dass wir den jüdischen Jesus Christus in unserem Herzen aufgenommen haben.Dadurch sind wir in der Lage,die Rechtfertigung unseres Lebens zu glauben.Zitat von Bonhoeffer:So zerreißt der Himmel über dem Menschen und die frohe Botschaft vom Heil Gottes in Jesus Christus dringt als Freudengeschrei vom Himmel zur Erde und der Mensch glaubt und in dem er glaubt hat er Christus bei sich empfangen,hat er alles.Er lebt vor Gott.
        Eine Kirche die diesen Glauben verinnerlicht hat, hätte keinen Holocaust zugelassen und sie würde der Welt vorleben, wie der Friede und die Liebe Gottes gemeint sind .

      4. deislam said

        @Norbert Weber, #3:
        „Eine Kirche, die diesen Glauben verinnerlicht hat, hätte keinen Holocaust zugelassen und sie würde der Welt vorleben, wie der Friede und die Liebe Gottes gemeint sind.“
        Unsere Antwort darauf: Mit „die Kirche“ meinst Du vermutlich „die katholische Kirche“; denn sie ist ja tatsächlich die Kirche Christi. Danebst gibt es noch etliche „kirchliche (christliche) Gemeinschaften“. Das sind aber alles Abspaltungen von der einen wahren Kirche. Es ist nun völlig verfehlt, der Kirche anzulasten, sie hätte den Holocaust zugelassen. Mit anderen Worten, sie hätte ihn verhindern können, wenn sie nur gewollt hätte. Wie die Kirche auf den Nationalsozialismus Hitlers reagiert hat, liest man am besten nach in zeitgenössischen Dokumenten. Und da haben wir etwas Lesens- und Beachtenswertes online gefunden: „Die katholische Kirche und die Kulturpolitik des III. Reiches“!

      5. […] Protest von Rabbinern: “Die katholische Kirche hat ihre antisemitischen Tendenzen nicht im&nbs… […]

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